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31.01.2010

Blick ins Erbgut beleuchtet Fettstoffwechsel

Seit seiner Gründung vor gut zehn Jahren beschäftigt sich das VIVIT Dornbirn und Feldkirch mit dem Einfluss von Störungen des Zucker- und Fettstoffwechsels auf die Entstehung daraus resultierender Erkrankungen wie Atherosklerose, Leberschädigung oder koronarer Herzkrankheiten. In einer genetischen Assoziationsstudie konnten die Forscher des Instituts unlängst beispielsweise zeigen, dass DNA-Variationen im Chromosom 1 sowohl mit Cholesterin als auch mit angiografisch determinierter koronarer Herzkrankheit assoziiert sind. Für die Wissenschaftler spielen bei weiteren Stoffwechselstörungen wie der Hämochromatose oder Zöliakie neben genetischen Vorzeichen jedoch auch Umweltfaktoren eine große Rolle bei der Vorhersagbarkeit dieser Erkrankungen.

Mikroskopische Aufnahme von ausdifferenzierten Fettzellen
Ausdifferenzierte Fettzellen werden am VIVIT gezüchtet, um die Bildung von Fettgewebe nachzuvollziehen und besser verstehen zu können. (© VIVIT)

Im Vordergrund der Grundlagenforschung am Vorarlberger Institut für vaskuläre Forschung und Behandlung (VIVIT) steht in erster Linie die Analyse von Fettzellen, Entzündungsmarkern und Hormonen, die in weiterer Folge zur Entstehung von metabolischen Erkrankungen führen können. "Das Fettgewebe gilt im Allgemeinen auch als hormonproduzierende Drüse, andererseits beeinflussen Hormone beispielsweise aus der Niere oder den Eierstöcken die Fettzellen und somit auch den Stoffwechsel", berichtet Prof. Heinz Drexel, Leiter des Instituts in Dornbirn. So weisen erste Befunde einer jüngst durchgeführten Studie mit 2.000 Patienten darauf hin, dass nicht jedes der vom Fettgewebe gebildeten Hormone einen Herzinfarkt oder Hirnschlag bedingt.

Neben seinen Forschungstätigkeiten führt das VIVIT seit Jahren klinische Studien anhand umfassender Patientenkohorten im Auftrag überregionaler Unternehmen am akademischen Lehrkrankenhaus Feldkirch durch. Das Hauptaugenmerk liegt dabei sowohl auf Querschnittsuntersuchungen als auch prospektiven Beobachtungen, bei denen das allgemeine Profil von zum Beispiel übergewichtigen Patienten und deren Risiko für einen Schlaganfall im Mittelpunkt steht. Eine aktuelle Bewegungsstudie zum Abwärtswandern mit unter Fettleibigkeit leidenden Personen mittleren Alters konnte beispielsweise kürzlich zeigen, dass bei sportlicher Betätigung weniger Fette ins Blut abgegeben werden, was wiederum einen ökonomischeren Stoffwechsel ermöglicht.

Organe und Gefäße als Opfer

Liegen metabolische Störungen vor, dann haben diese oftmals auch eine Schädigung von Organen zur Folge, darunter beispielsweise der Leber. Der Zusammenhang zwischen Leberstörungen, metabolischem Syndrom sowie Herzkrankheiten bildet ebenfalls einen Schwerpunkt am VIVIT-Institut. "Wenn Fettgewebe mit Fetten überfüllt ist, dass es das Fett ins Blut fließen lassen muss aufgrund von hormonellen Wirkungen, gelangt das Fett aus vorzugsweise dem Bauchraum in die Leber", berichtet Prof. Heinz Drexel. Nimmt diese bei einer Stoffwechselstörung mehr Fett auf als sie abgeben kann, bleibt es in der Leber liegen. Die Folge ist eine Leberverfettung. Messungen von Leberenzymen im Blut durch die Forscher in Dornbirn konnten zeigen, dass der Fettstoffwechsel die Leber und die Gefäße krank macht, aber nicht die Leber eine Erkrankung der Gefäße verursacht. "Dies wird durch einen häufigen Alkoholkonsum selbstverständlich begünstigt, da Alkohol kein Kohlenhydrat sondern auch ein kleines Fettmolekül darstellt", fügt Prof. Heinz Drexel hinzu.

Auch Untersuchungen zum Knochenstoffwechsel im Zusammenhang mit Herzkrankheiten stehen im Fokus der Arbeit am VIVIT. "Aus unseren Ergebnissen geht hervor, dass Störungen im Blut sehr wohl mit dem Knochen- und Herzstoffwechsel verknüpft sind, jedoch der Knochen und das Herz direkt keine Verbindung haben. Das bedeutet, dass zwar ein gleichzeitiges Risiko für einen Knochenschwund und eine Arterienverkalkung durchaus bestehen kann, bei beiden aber konträr zu verschiedenen Thesen in den vergangenen Jahren keine gegenseitige ursächliche Verknüpfung vorliegt", so Prof. Heinz Drexel.

DNA-Vielgestaltigkeit im Visier

Umweltfaktoren als Auslöser

In Bezug auf die Vorhersagbarkeit metabolischer Erkrankungen und derer Folgeerkrankungen sehen die VIVIT-Forscher neue Fortschritte, gerade im Bereich der Genetik und genomweiter Assoziationsstudien. "Dennoch wird, abgesehen von den eher selten auftretenden monogenetischen Erkrankungen wie der Mukoviszidose, die Entstehung komplexer Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit oder Diabetes mellitus häufig durch zahlreiche Gene beeinflusst, von welchen jedes einzelne einen oft eher geringen Beitrag liefert", sagt Dr. Axel Mündlein. Über die konkrete Auswirkung gleichzeitig auftretender, nur schwach wirkender genetischer Veränderungen ist bislang noch wenig bekannt, so dass eine entsprechende familiäre Vorbelastung immer noch als sicherstes genetisches Vorzeichen gilt, die in der Familie auftretende Stoffwechselstörung auch selbst in Zukunft zu erleiden.

Häufig dienen genetische Untersuchungen beim Verdacht des Vorliegens einer Stoffwechselstörung wie der Hämochromatose, Zöliakie oder Hyperlipoproteinämie als Bestätigung der Erkrankung. Liegen bei einem gesunden, symptomfreien Patienten die gleichen genetischen Veränderungen vor, kann dieser in der Regel von einem geringen Risiko ausgehen, im Laufe seines Lebens zu erkranken. "Neben den prädisponierenden genetischen Faktoren muss es demnach weitere Einflüsse aus der Umwelt geben, die zum Ausbruch der Erkrankung führen", folgert Dr. Axel Mündlein. Wie er hinzufügt, lassen sich trotz des stark zunehmenden Wissens um den genetischen Einfluss auf zahlreiche Erkrankungen "in den meisten Fällen noch keine konkreten Aussagen" über ihre Vorhersagbarkeit treffen.
Ein Beitrag von:
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mst - 31.01.2010
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH

Weitere Informationen zum Beitrag:

VIVIT
Prof. Dr. Heinz Drexel
Carinagasse 47
A-6800 Feldkirch
Tel.: +43 5522 303 26 70
Fax: +43 5522 303 75 33
E-Mail: vivit(at)lkhf.at

Dr. Axel Mündlein
Tel.: +43 5572 372 65 81
Fax +43 5572 372 65 84
E-Mail: labor(at)vivit.at

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