-»Diese Ausgabe ist für Browser ohne zureichende CSS-Unterstützung gedacht und richtet sich vor allem an Sehbehinderte. Alle Inhalte sind auch mit älteren Browsern voll nutzbar. Für eine grafisch ansprechendere Ansicht verwenden Sie aber bitte einen moder
Beginn Sprachwahl
Beginn Inhaltsbereich
Beginn Navigator
Ende Navigator
Die Pilze sind, neben Tieren und Pflanzen, das dritte große Organismenreich unter den Eukaryonten. Die meisten Menschen halten sie für Pflanzen, weil sie typischerweise erdverbunden sind wie Pflanzen und sich nicht wie die Tiere fortbewegen und nach Nahrung suchen; in den Lebensmittelgeschäften findet man die essbaren Pilze wie Champignons und Shiitake in der Gemüseabteilung. Kein Pilz aber ist selbst zur Fotosynthese fähig, sein Energiestoffwechsel wird stets durch organische Moleküle von toten und manchmal auch lebenden Organismen angetrieben. Tatsächlich sind Pilze nach DNA-Vergleichen näher mit Tieren als mit Pflanzen verwandt. Danach hat sich die Entwicklungslinie, die zu uns (und allen anderen Tieren) führte, von derjenigen, die zu den Trüffeln (und allen anderen Pilzen) führte, später getrennt als die, die zu den grünen Pflanzen führte. Allerdings geschah dies, wie Abschätzungen der Mutationsraten (die „molekulare Uhr“) nahelegen, vor vielleicht 800 Millionen Jahren - tief im Präkambrium. Die frühesten Fossilfunde von Pilzen gibt es erst viel später, vor etwa 400 Millionen Jahren zusammen mit den Fossilien der ersten Landpflanzen.
Zwar gibt es Pilze auch im Meer und im Süßwasser, aber die meisten leben auf dem Land, wo sie buchstäblich allgegenwärtig sind und sich eine unüberschaubare Vielfalt von Nahrungsquellen erschlossen haben. Man schätzt ihre Artenzahl auf vielleicht 1,5 Mio., aber weniger als ein Zehntel davon sind bis heute wissenschaftlich beschrieben.
Pilze zerlegen ihre Nahrung durch ausgeschiedene Enzyme außerhalb ihres Körpers und absorbieren die Nährstoffe in gelöster Form durch ihre Zellmembranen. Das entspricht der Art der Nahrungsaufnahme, wie wir sie in unserem Dünndarm durchführen. Entscheidend für eine wirksame Verdauung und Aufnahme der Nahrung ist eine möglichst große Absorptionsoberfläche. Im Darm wird das durch die Villi (Darmzotten) und den Bürstensaum der Mikrovilli der Epithelzellen erreicht. Ein gewöhnlicher Feldchampignon erzielt eine vergleichbare Absorptionsfläche durch ein kilometerlanges Netz von Fäden (Hyphen), mit denen er den Boden durchzieht. Die Gesamtheit des Hyphengeflechts eines Pilzes wird als Myzel bezeichnet. Was gemeinhin als Pilz wahrgenommen wird, ist nur ein kleiner Teil des Organismus, nämlich der Fruchtkörper, in dem die Sporen gebildet werden. Anders als Tiere und Pflanzen bilden Pilze keine Embryonen. Sie wachsen vielmehr aus einzelligen winzigen Sporen heran, die geschlechtlich oder ungeschlechtlich, oft in ungeheuren Mengen, gebildet werden können. Mit jedem Atemzug nehmen wir Pilzsporen auf, die durch die Luft verbreitet werden.
Im Bewusstsein der meisten Menschen spielen Pilze im Vergleich zu Pflanzen und Tieren nur eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich spielen sie dank ihrer Fähigkeit, organische Reste in mineralische Ressourcen umzuwandeln, für die globalen Stoffkreisläufe eine entscheidende Rolle. Auch an Masse, vermutlich etwa ein Viertel der gesamten Biomasse unseres Planeten, übertreffen sie die Gesamtmasse aller Tiere bei Weitem. In einem Kiefernwald in Michigan, USA, beispielsweise wurde an den Baumwurzeln ein Hallimasch (Armillaria bulbosa) gefunden, dessen offensichtlich aus einer einzigen Spore hervorgegangenes Myzel sich über 37 Hektar ausbreitet und ein Gewicht von schätzungsweise 11 Tonnen hat. Dass es sich tatsächlich um einen einzelnen Organismus handelt, konnte durch genetische Analysen zahlreicher Proben an verschiedenen Entnahmestellen nachgewiesen werden.
Umstritten ist die Position der Oomyceten, zu denen wichtige Pflanzenschädlinge wie Phytophthora infestans, der die Kartoffelfäule hervorruft, oder Plasmopara viticola, der falsche Mehltau der Weinrebe gehören. Im Unterschied zu den echten Pilzen enthält ihre Zellwand Zellulose wie die grünen Pflanzen und sie bilden Sporen, die sich mit einer Geißel im Wasser fortbewegen können. Eine Zwischenstellung nehmen die wenig bekannten Chytridien ein, die begeißelte Fortpflanzungszellen (asexuelle Zoosporen und sexuell entstandene Gameten) bilden und neben Chitin manchmal auch noch Zellulose enthalten. Echte Pilze dagegen haben keine Zellulose, sondern als Hauptbestandteil ihrer Zellwand Chitin. Sie haben niemals begeißelte Stadien und ihre sexuelle Fortpflanzung erfolgt nicht durch die Verschmelzung von Einzelzellen (Gameten), sondern durch Konjugation unterschiedlicher Hyphen, die man in Ermangelung morphologischer Unterscheidungsmerkmale nicht als weiblich und männlich, sondern als plus und minus bezeichnet. Aus diesem Sexualakt gehen die Pilzfruchtkörper hervor, in denen durch Meiose Sporen gebildet werden.
Zu den echten Pilzen gehören die Zygomceten oder Jochpilze, darunter der Gemeine Brotschimmel (Rhizopus stolonifer). Auch die Wattefäule auf Erdbeeren wird durch diesen Pilz verursacht. Die riesige Gruppe der „Höheren Pilze" wird in zwei große Gruppen unterteilt, die sich vor allem durch ihre Fruchtkörper, in denen die Sporen gebildet werden, unterscheiden:
I. die Ascomyceten oder Schlauchpilze. Zu ihnen gehören neben begehrten Speisepilzen wie Trüffel und Morchel zahlreiche weitere dem Menschen nützliche und schädliche Arten, darunter der Mutterkornpilz Claviceps (Alkaloide), die Schimmelpilze Aspergillus (Aflatoxine, Statine), Penicillium (Antibiotika) und Tolypocladium (Cyclosporin) sowie die Bier-, Wein- und Bäckerhefe Saccharomyces). Unter den Ascomyceten befinden sich viele Spezialisten, die auch die widerstandsfähigsten Substanzen des Tier- und Pflanzenreichs abbauen können, wie Cellulose und das Lignin des Holzes, das Keratin der Haare und Nägel und das Kollagen der Knochen und Bindegewebe. Von großer Bedeutung sind sie auch für die industrielle biotechnologische Produktion von Enzymen und organischen Verbindungen wie Zitronensäure oder Aminosäuren, nicht zu vergessen für die Reifung von Brie, Camembert, Gorgonzola oder Vendôme.
II. die Basidiomyceten, die Ständer- oder Hutpilze. Zu ihnen gehören die meisten bekannten essbaren und giftigen Pilze, auch die je nach Standpunkt begehrten oder gefürchteten halluzinogenen Pilze wie Psilocybe oder Amanita. Manche dienen als Quelle potenter Wirkstoffe für die Pharma- und Agroindustrie. Die im Pflanzenschutz eingesetzte Stoffklasse der Strobilurine wurde zuerst in kleinen auf Kiefernzapfen wachsenden Rüblingen entdeckt. Auch gefürchtete Pflanzenschädlinge wie Rost- und Brandpilze gehören zu den Basidiomyceten. Zahlreiche Arten bilden stabile Symbiosen mit den Wurzeln von Gehölzen (Mykorrhiza), ohne die eine ausreichende Nährstoffversorgung der Pflanzen aus dem Boden gar nicht möglich wäre.
Beginn Hauptnavigation
Ende Hauptnavigation
Wählen Sie die Datenbank aus, die Sie durchsuchen möchten und geben Sie einen Suchbegriff ein.
Immer aktuell informiert mit dem BIOPRO-Newsletter.
Nutzen Sie dieses Serviceangebot, um über die Biotechnologiebranche in Baden-Württemberg immer auf dem Laufenden zu sein.